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Ressourcen im Kreislauf: Wie auf dem Change.Campus zirkulär gebaut wird

Auf dem Change.Campus in Solingen wird nachhaltiges Wirtschaften vorgelebt. Die Sanierung des Bestandsgebäudes durch Projektentwickler Sven Heyden und sein Team von BAUCONZEPT zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Materialien, Verantwortung und Gestaltung konsequent zusammengedacht werden. 

„Wir wollten die Gebäude nicht einfach nur modernisieren – wir wollten ihnen mit Respekt vor dem Bestehenden neues Leben geben“, erklärt Sven Heyden. Ein zentraler Baustein dieses Ansatzes: die zirkuläre Bauweise. 

Altmaterial als Wertstoff 

Wo früher Industriegeschichte geschrieben wurde, steht heute ein Haus, das auf intelligente Weise mit seiner Vergangenheit arbeitet. Viele Bauelemente aus der ursprünglichen Substanz wurden wiederverwendet – darunter Ziegelsteine, alte Stahltreppen oder Bodenplatten. „Der Tisch, an dem wir heute sitzen, war einmal eine alte Treppe“, berichtet Sven Heyden und streicht über die Oberfläche. „Solche Details geben dem Haus Charakter – und sparen Ressourcen.“ 

Auch bei der Ausstattung wurde darauf geachtet, nicht alles neu zu kaufen. Die Schallabsorber stammen aus zweiter Hand, die Lampen aus einer Unternehmensauflösung in Wien. „Wir haben bewusst Dinge gesucht, die schon ein Leben hinter sich hatten. Das war nicht immer einfach – manchmal fehlen Papiere, manchmal Maße – aber es lohnt sich.“ 

Verantwortung, die bleibt 

Zirkuläres Bauen bedeutet nicht nur Wiederverwendung, sondern auch Vorausdenken. So wurden Materialien gewählt, die langlebig, wartungsarm und sortenrein rückbaubar sind. Ein Beispiel ist die Dachkonstruktion, die komplett neu erstellt wurde, um sowohl die Photovoltaikanlage als auch eine Dachterrasse zu tragen. Gleichzeitig wurde sie so konzipiert, dass sie auch zukünftigen Anforderungen gewachsen ist. 

„Wir haben mitgedacht: Was passiert in 30 Jahren? Was kann man zurückbauen, recyceln oder adaptieren?“, so Sven Heyden. Der Nachhaltigkeitsanspruch zeigt sich auch in der Wahl der Innenausbauten – langlebige, robuste Materialien, wenig Technik, klare Strukturen. 

Zwischen Ideal und Realität 

Nicht immer stößt dieser Anspruch auf offene Türen – besonders wenn geltende Normen und Regularien im Weg stehen. So berichtet Sven Heyden, wie die eigentlich geplante Wiederverwendung von historischen Pflastersteinen am Thema Barrierefreiheit scheiterte. „Wir hätten sie gern eingesetzt, aber die DIN-Norm war dagegen. Das ist manchmal frustrierend – wenn jahrzehntelang alles funktionierte und man plötzlich gesagt bekommt: Das geht nicht mehr.“ 

Trotz dieser Hürden bleibt das Team dem Prinzip treu. Auch kommende Projekte am Standort sollen so ressourcenschonend wie möglich realisiert werden – mit dem Blick auf Umwelt, Nutzerinnen und Nutzer und den wirtschaftlichen Rahmen. 

Nachhaltigkeit sichtbar gemacht 

Zirkuläre Bauweise ist mehr als ein architektonisches Konzept – sie ist eine Haltung. Auf dem Change.Campus wird sie sichtbar, spürbar und erfahrbar. Für Unternehmen, die hier Räume mieten. Für Mitarbeiterinnen und Mieter, die in durchdachten Arbeitswelten wirken. Und für Besucherinnen und Besucher, die erleben, was möglich ist, wenn man den Wandel im Kopf beginnt – und beim Bauen umsetzt.